23.02.2026: WPKS-Webinar "Finanzierung von Klimaanpassung in Deutschland"
Wer Klimarisiken strategisch begegnen will, muss auch ihre Finanzierung systematisch denken. Das wurde am 23.02.2026 deutlich, als die Wissenschaftsplattform Klimaschutz zu einem Webinar mit dem Titel „Finanzierung von Klimaanpassung in Deutschland – Gestaltungsoptionen und rechtswissenschaftliche Analysen“ einlud.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Ergebnisse von drei durch die WPKS beauftragten Studien, die aus ökonomischer und rechtswissenschaftlicher Perspektive zentrale Fragen der Finanzierung von Klimaanpassung und fiskalischer Resilienz beleuchten. Gemeinsam zeichnen diese Studien ein differenziertes und umfassendes Bild der gegenwärtigen Finanzierungslandschaft für Klimaanpassung in Deutschland. Interessierte Vertreter:innen unterschiedlicher Ministerien auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie Fachinstitutionen nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen zu konkreten Umsetzungsoptionen und rechtlichen Rahmenbedingungen mit den Autor:innen der Studien zu besprechen.
Im ersten Fachvortrag präsentierte Linda Hölscher die Ergebnisse der von adelphi research gGmbH in Kooperation mit dem Wegener Center für Klima und Globalen Wandel verfassten Studie „Finanzielle Implikationen des Klimawandels: Finanzierung von Klimaanpassung und Klimaresilienz öffentlicher Haushalte“. Die im Oktober 2025 veröffentlichte Studie analysiert Kosten, Herausforderungen und innovative Finanzierungswege für Klimaanpassung in Deutschland und zeigt auf, wie Bund, Länder und Kommunen ihre Haushalte klimaresilienter gestalten können. Sie verdeutlicht unter anderem, dass erhebliche Forschungsbedarfe bei modellbasierten und maßnahmenorientierten Ansätzen bestehen und dass eine konsistente Definition von Anpassungsszenarien und Schutzniveaus erforderlich ist. Systematische Erhebungen von Umsetzungskosten sind notwendig, ebenso wie eine ganzheitliche Betrachtung von Maßnahmenpaketen und möglichen Wechselwirkungen. In der Studie wird ein Katalog eingehend geprüfter Politikinstrumente aufgefächert.
Einige dieser Finanzierungsinstrumente untersucht Prof. Dr. Joachim Wieland in seinem von der WPKS beauftragten und im Januar 2026 veröffentlichten Rechtsgutachten „Instrumente zur Stärkung der fiskalischen Resilienz: Umsetzungsmöglichkeiten und -hürden aus rechtswissenschaftlicher Sicht“, das er am 23. Februar ebenfalls vorstellte. Das Gutachten beleuchtet die Erhebung (lokaler) Abgaben für Klimaschutz und -anpassung, die Erweiterung lokaler Klimafonds, die Integration von Klimaschutz und -anpassung in den horizontalen Finanzausgleich, reformierte Bundesergänzungszuweisungen mit Klimaprognosefaktor und den Staat als letzte Versicherungsinstanz. Dabei bezieht der Autor neben dem Verfassungsrecht das Klimaschutz- und Abgabenrecht ebenso mit ein wie das Kommunal- und das Wirtschaftsverwaltungsrecht. Er kommt zu dem Schluss, dass die in der von adelphi verfassten Studie beschriebenen Instrumente überwiegend geeignet sind, um zusätzliche finanzielle Mittel für die Klimaanpassung bereitzustellen und öffentliche Haushalte gegen die zu erwartenden zusätzlichen Belastungen abzusichern. Bei der konkreten Ausgestaltung besteht allerdings ein erheblicher Ermessensspielraum des Staates.
Abschließend stellte Dr. Roda Verheyen das in Zusammenarbeit mit Arthur Latsch und Dr. Johannes Franke (Rechtsanwälte Günther, Hamburg) verfasste Rechtsgutachten „Praktische und rechtliche Erwägungen zur Finanzierung von Klimaanpassung im Mehrebenensystem – Das Finanzpaket 2025“ vor. Die Analyse verbindet eine systematische Auswertung des Völker-, Europa- und Verfassungsrechts mit einer detaillierten Untersuchung des einfachen Bundes- und Landesrechts, insbesondere des seit 2024 geltenden Bundes-Klimaanpassungsgesetzes (KAnG). Der Fokus liegt dabei auf dem Finanzverfassungsrecht. Untersucht werden die Aufgaben- und Finanzierungsverantwortlichkeiten von Bund, Ländern und Kommunen sowie die rechtlichen Grenzen gemeinsamer Finanzierung. Darauf aufbauend bewerten die Autor:innen die Grundgesetzänderungen im Rahmen des Finanzpakets 2025 im Hinblick auf ihre Eignung zur Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen. Im Ergebnis zweifeln die Autor:innen die Verfassungskonformität der Umsetzung an und benennen in ihrem Gutachten Grenzen der Finanzierbarkeit.
Die Mitglieder der Wissenschaftsplattform Klimaschutz danken den Vortragenden sowie den zahlreichen Teilnehmenden, die mit ihren Fragen und Kommentaren zu einem intensiven, fachlich bereichernden Austausch beigetragen haben.
